AVT Köln

Exkurs: Warum Verhaltenstherapie?

„Als ich in Richtung Psychotherapie gegangen bin, war ich mindestens 50-prozentig Berater und Seminarleiter für Unternehmen und Organisationen. Oft habe ich Leute beraten, die selbst Berater für andere waren, z. B. Unternehmensberater. Ich hatte den Eindruck, dass die Verhaltenstherapie mit ihrem Fokus auf die Veränderungen in der Gegenwart sich dafür gut eignete. Aber noch etwas kam für mich hinzu, nämlich, dass zu der damaligen Zeit – die 70-er-Jahre – sich hauptsächlich die beiden Alternativen stellten: Psychoanalyse oder Verhaltenstherapie. Und da ich gerade aus dem Jesuitenorden ausgetreten war, hatte ich eine gewisse Allergie gegen sehr Hierarchisches und Dogmatisches. Nicht dass der Jesuitenorden so besonders hierarchisch und dogmatisch gewesen wäre, aber das Römische-Katholische, in den der Jesuitenorden eingebunden ist, kam mir schon so vor. Kurz und gut: Bei der Verhaltenstherapie schien es mir, dass man sich um Transparenz, Verstehbarkeit und Gleichberechtigung zwischen Patient und Therapeut bemüht. Erst später lernte ich gewisse Einschränkungen der Verhaltenstherapie kennen, die jedoch von zwei Richtungen her verändert wurden: Erstens, die Verhaltenstherapie wurde in ihren Methoden und Denkweisen immer breiter, nämlich kognitiv, emotional, biographisch, an Beziehungen zwischen Patient und Therapeut interessiert im Sinne einer Therapiemethode. Zweitens machte ich eine langjährige Psychodramaausbildung bei einem Holländer, der seine Wurzeln in der Psychoanalyse und in der Systemischen Methode hatte.“

„Ich bin ein aktiver Mensch und liebe es, etwas tun zu können, nicht nur herum zu sitzen, sondern Dinge anzupacken. Etwas tun zu können heißt in der Verhaltenstherapie, dass ich meine Patienten etwas tun lasse. Ich kann in der Therapiestunde mit ihnen etwas tun, ich kann sie z. B. etwas zeichnen oder gestalten lassen, wir können im Rollenspiel miteinander tätig werden. Ich kann ihnen Hausaufgaben geben und die Patienten erfahren im Tun, im Beobachten und Protokollieren, im Ausprobieren, dass sich etwas an ihrer vorher ausweglos scheinenden Situation verändert. Sie sind aktiv und wissentlich an ihrem Veränderungsprozess beteiligt und warten nicht passiv darauf, dass etwas mit ihnen geschieht. Sie bekommen durch ihr eigenes Tun Erkenntnisse, aber auch Erfolgserlebnisse – kleine Schritte, mit denen sie wieder eine Spur Glauben an sich selbst, ein Gefühl von Kontrolle und Selbstwirksamkeit zurück gewinnen. Damit steigen die Hoffnung und die Motivation zur Situationsveränderung. Es macht mir Freude zu beobachten, wie sich meine Patienten durch ihr aktives Tun wieder aufbauen.“

„Mir gefällt an der Verhaltenstherapie, dass ich in mein Berufsleben meine ganze Persönlichkeit einzubringen kann. Die therapeutische Rolle fordert von mir nicht, dass ich mich verstellen muss, sondern ich kann so sein, wie ich mich am wohlsten fühle: offen, geradlinig, humorvoll. Und das kommt als Echtheit bei den Patienten an. Sie fühlen sich angenommen, verstanden und ernst genommen. Es fällt mir dadurch bei den meisten Patienten leicht, rasch eine gute therapeutische Beziehung herzustellen – die Grundlage für jeden Behandlungserfolg.
In der Verhaltenstherapie ist das Vorgehen für den Patienten jederzeit transparent. Die Ziele der Behandlung werden gemeinsam festgelegt und ihre Erreichung kann der Patient überprüfen. Durch diese gemeinsame Zielfestlegung und die Beratung darüber, welche Methoden zur Zielerreichung angewandt werden sollen, bekommt die Therapie einen hohen Individualisierungsgrad. Man arbeitet nicht nach Schema F, sondern jeder Patient bekommt seine individuell auf ihn zugeschnittene Therapie. Die Kommunikation zwischen Patient und Therapeut ist offen und gleichberechtigt. Beide tragen gleichermaßen und hierarchiefrei zur Behandlung bei: Der Patient ist der Experte seiner Störung und der Therapeut kann auf seine Techniken und seine therapeutischen Erfahrungen zurückgreifen, die er der gemeinsamen Arbeit zur Verfügung stellt.“

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