AVT Köln

Selbsterfahrung

Wozu ist Selbsterfahrung nötig?

Zum psychotherapeutischen Handeln ist dreierlei nötig: erstens das theoretische Wissen, zum Beispiel über Diagnostik, Therapiemethoden, Psychopharmaka. Zweitens braucht man viel praktisches Training, um die verschiedenen Diagnosemethoden und Therapiemethoden sicher und flexibel anwenden zu können. Drittens – und hier kommt die Selbsterfahrung ins Spiel – bedarf es einer Abstimmung zwischen der Person des Therapeuten und dem, was der Patient braucht. Diese Abstimmung geschieht in der Selbsterfahrung.

avt_2008_280_250Und wie funktioniert die Selbsterfahrung?

Jeder Selbsterfahrungsteilnehmer erfährt viel darüber, wie er auf unterschiedliche Patienten und in verschiedenen Therapiesituationen wirkt. Unsere Selbsterfahrungsleiter wenden dafür verschiedene Methoden an, zum Beispiel Videorückmeldung, Rollenspiele, Fragebögen. Außerdem erlebt sich jeder Teilnehmer der Selbsterfahrung auch selbst als „Patient“, der ein bestimmtes psychotherapeutisches Ziel erreichen will. Und schließlich erfährt er (z.B. per Videoaufnahme oder im Rollenspiel), wie er sich als Therapeut in bestimmten Therapiesituationen verhält, und er bekommt hilfreiche Trainingshinweise.

Wie ist die Selbsterfahrung organisiert?

Das Psychotherapeutengesetz schreibt mindestens 120 Stunden Selbsterfahrung vor. Bei uns erhalten Sie davon 115 Stunden in einer festen Gruppe von in der Regel nicht mehr als 10 Teilnehmern. Zusätzlich haben wir 5 Stunden Einzelselbsterfahrung für besondere Eckpunkte der Ausbildung vorgesehen. Diese fünf Stunden können Sie frei über den gesamten Ausbildungsverlauf hinweg nutzen.

Und warum Einzelselbsterfahrung?

Im Verlauf der Ausbildung können immer wieder Situationen oder Probleme auftreten, bei denen man gerne diese sehr individuelle Form der Selbsterfahrung nutzen möchte. Gerade am Anfang der Ausbildung – bevor die Selbsterfahrung in der Gruppe beginnt – haben wir bei vielen unserer Teilnehmer solche Stimmungen und Überlegungen bemerkt, die eine individuelle Klärung brauchen. Wenn das Klinische Jahr angefangen hat, können zum Beispiel Fragen kommen wie: „Bin ich überhaupt für diesen Beruf geeignet?“, „Werde ich den Patienten gerecht?“ Wir möchten Ihnen helfen, sich frühzeitig mit Ihren Zweifeln auseinanderzusetzen und Sicherheit in Ihrer beruflichen Entwicklung zu gewinnen. Deshalb halten wir gerade in der frühen Ausbildungsphase die Einzelselbsterfahrung für besonders wertvoll. Aber auch in der Zeit Ihrer Selbsterfahrung in der Gruppe können Fragestellungen auftreten, die so spezifisch sind, dass sie den Rahmen einer Gruppenselbsterfahrung sprengen können. Und manchmal konfrontieren uns erst später, in der eigenen therapeutischen Arbeit in der zweiten Ausbildungshälfte, plötzlich die Patienten mit unseren eigenen Problemen. Auch dann kann man die Einzelselbsterfahrung noch zur Klärung und eigenen Entwicklung nutzen. 

Mehr über das, was noch zur Selbsterfahrung gehört, erfahren Sie im Exkurs: Inhalte der Selbsterfahrung.