AVT Köln

Exkurs: Vollzeitausbildung – Teilzeitausbildung

Das Psychotherapeutengesetz hat zwei Ausbildungsformen vorgesehen, die Vollzeitform mit einer Mindestdauer von drei Jahren, und die Teilzeitform, die mindestens fünf Jahre dauern muss. Wir bieten Ihnen beide Formen an, Sie können nach Ihren persönlichen Rahmenbedingungen auswählen, welche Form für Sie besser geeignet ist.

Beide Modelle bieten Vor- und Nachteile, die wir Ihnen darlegen möchten. Aber wir möchten an dieser Stelle auch mit Vorurteilen aufräumen, die für beide Formen bestehen.

 

Vollzeitausbildung – was heißt das?

Bei der Vollzeitausbildung ist es möglich, alle Ausbildungsteile innerhalb von drei Jahren zu absolvieren. Für die praktische Tätigkeit in der ersten Ausbildungshälfte können Sie eineinhalb Jahre Zeit kalkulieren. So kommen Sie auf 25 Wochenarbeitsstunden. Das bedeutet etwa drei Arbeitstage pro Woche in Ihrer Einrichtung der praktischen Tätigkeit. Das Theoriecurriculum ist auf drei Veranstaltungsjahre zugeschnitten. Das bedeutet etwa 20 Veranstaltungen pro Jahr, im Schnitt also etwa zwei Veranstaltungen pro Monat, Ferienzeiten ausgenommen.

Vorurteile gegen die Vollzeitausbildung

  • Vollzeit heißt 5-Tage-Arbeitswoche plus Veranstaltungen an jedem zweiten Wochenende.

Nein, das heißt es nicht. Betrachten Sie zum Beispiel die praktische Tätigkeit I. Diese soll 1200 Stunden umfassen, die in mindestens einem Jahr abzuleisten sind. Das bedeutet: 25 Wochenstunden in einer Klinik zu arbeiten. Das kann man gut auf drei Arbeitstage verteilen. Für die praktische Tätigkeit II gilt der gleiche Zeitaufwand. Die zwei weiteren Wochentage kann man dann noch für eine weitere Tätigkeit nutzen, mit der man sich noch etwas Geld nebenher verdienen kann.

  • Dreijährige Ausbildung heißt, ich muss in drei Jahren mit allem fertig sein!

Die dreijährige Ausbildung kann auch vier, fünf, sieben oder noch mehr Jahre dauern. Es handelt sich um eine Mindestzeitdauer, die selbstverständlich überschritten werden darf. Wichtig ist nur, dass keine längeren Pausen in der Ausbildung auftreten. Pausen von mehr als vier Wochen Dauer müssen mit der Ausbildungsleitung abgesprochen werden und verlängern die Ausbildung entsprechend.

  • In drei Jahren ist die Ausbildung doch gar nicht zu schaffen!

Tatsächlich brauchen die meisten unserer Ausbildungsteilnehmer etwas länger als drei Jahre. Der Durchschnitt liegt zwischen dreieinhalb und vier Jahren. Das liegt zum einen daran, dass die staatlichen Abschlussprüfungen nur zweimal im Jahr stattfinden. Das liegt aber vor allem daran, dass sich Ausbildungsteilnehmer gerade in der zweiten Hälfte ihrer Ausbildung in der Regel etwas mehr Zeit lassen. Sie bereiten sich intensiv (oft in kleinen Arbeitsgruppen) auf ihre Prüfungen vor und nehmen sich Zeit für eine sorgfältige Falldokumentation.

Aber es ist durchaus zu schaffen, die Ausbildung nach drei Jahren abzuschließen. Das erfordert zum einen eine passgenaue Planung aller Teile der praktischen Tätigkeit und der praktischen Ausbildung. Man sollte aber auch genügend Disziplin aufbringen, die Therapiedokumentationen verlaufsbegleitend zu schreiben und sich auf die Prüfungen noch nebenher vorzubereiten. Und nicht zuletzt braucht man dazu auch ein wenig Glück in Form von „treuen“ Patienten, die einem lange erhalten bleiben und nicht mitten in der Therapiezeit plötzlich abspringen oder sich für einen längeren Klinikaufenthalt verabschieden. Das Patientenglück lässt sich leider nur schwer steuern, schließlich dürfen wir nicht nur Patienten mit zwanghafter Persönlichkeit behandeln…

Vorteile der Vollzeitausbildung

  • Die Vollzeitausbildung ist unter bestimmten Umständen BAföG-förderungswürdig.
  • Die Dichte der Veranstaltungen und der praktischen Anteile erfordert eine intensive Auseinandersetzung mit dem Stoff, die von vielen als besonders festigend erlebt wird. Man kann gar nicht so schnell etwas vergessen, wie es schon wieder aufgegriffen und vertieft wird.

Nachteile der Vollzeitausbildung

  • Wer sich für die Vollzeitausbildung entscheidet, der hat viel zu tun!

Es bleibt recht wenig Zeit für Hobbys, soziale Kontakte oder gar für Urlaube. Wer seine Ausbildung in drei Jahren schaffen will, muss sich von dem Gedanken an eine 40-Stunden-Arbeitswoche verabschieden. Deshalb ist es uns wichtig zu erfahren, ob Sie ausreichend soziale Ressourcen haben, um diese Zeit der intensiven Arbeit unbeschadet zu überstehen. Haben Sie ein tragfähiges soziales Netz, eine stützende Familie, verständnisvolle Freunde oder einen geduldigen Partner, der Sie auch mal sanft von der Arbeit abhalten kann? Haben Sie selbst genug Disziplin, um die Klinik pünktlich zu verlassen, vom Schreibtisch aufzustehen und vielleicht mal etwas Sport zu treiben oder einfach nur die Seele baumeln zu lassen? Dafür brauchen Sie in dieser kompakten Ausbildungsform unbedingt Zeitinseln!

 

Teilzeitausbildung – was heißt das?

Bei der Teilzeitausbildung dehnen sich die einzelnen Bausteine auf insgesamt fünf Jahre aus und nehmen dadurch an Dichte ab. Für die praktische Tätigkeit in der ersten Ausbildungshälfte haben Sie zweieinhalb Jahre Zeit. So kommen Sie auf 15 Wochenarbeitsstunden. Es genügen also z. B. zwei Arbeitstage pro Woche in der Klinik. Die Theorieveranstaltungen werden ebenfalls auf fünf Jahre verteilt. Damit liegt die durchschnittliche Veranstaltungsdichte bei etwas mehr als einem Theoriewochenende pro Monat.

Vorurteile gegen die Teilzeitausbildung

  • Die Teilzeitausbildung ist teurer, weil sie länger dauert.

Das mag für Institute gelten, die regelmäßige Semesterbeiträge erheben, für uns gilt das nicht. Sie bezahlen die Leistungen, die Sie in Anspruch nehmen, und die sind bei beiden Ausbildungsformen die gesetzlich vorgeschriebenen und somit identisch.

Vorteile der Teilzeitausbildung

Wenn Sie von vornherein absehen können, dass die dreijährige Ausbildung Sie viel zu sehr beansprucht, vielleicht weil Sie kleine Kinder haben, an deren Entwicklung Sie weiterhin großen Anteil nehmen möchten, oder weil Sie einen (Vollzeit-)Job haben und auch behalten möchten, während Sie die Ausbildung machen, dann bietet sich diese Teilzeitform der Psychotherapieausbildung geradezu an.

Nachteile der Teilzeitausbildung

  • Generell ist es schwierig, einen Klinikplatz für die praktische Tätigkeit zu bekommen. Bei der Bewerbung ist viel Frustrationstoleranz, Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen erforderlich. Wenn Sie allerdings mit "Sonderwünschen", wie etwa einer stark verringerten Wochenarbeitszeit, aufwarten, werden sich Ihre Chancen auf einen der begehrten pT-Plätze nicht vergrößern.
  • Die fünfjährige Teilzeitform gilt als nicht förderungswürdig, Sie können also keine staatlichen Förderungsgelder dafür bekommen. Auf der anderen Seite: Da Sie mehr Zeit haben, um selbst einem bezahlten Beruf nachzugehen, brauchen Sie das Geld vom Staat, das man in aller Regel zumindest teilweise zurückzahlen muss, vielleicht auch gar nicht.
  • Die fünfjährige Ausbildung muss mindestens fünf Jahre dauern. Wie bei der dreijährigen Ausbildung wird mit der Wahl dieser Form eine Mindestausbildungsdauer festgelegt. Angenommen, Sie wären nach vier Jahren bereits überraschenderweise mit allen Ausbildungsteilen fertig, müssten Sie warten, bis Sie die fünf Jahre voll haben. Das kann unter Umständen ärgerlich sein.
  • Fünf Jahre können sehr lang werden… Der Besuch von Wochenend-Theorieveranstaltungen ist sicher eine sehr löbliche Art, das Wochenende zu verbringen, aber nicht unbedingt die allerschönste Form der Wochenendbewältigung. Viele unserer Teilnehmer an der dreijährigen Ausbildung haben uns immer wieder bestätigt, wie schön es – bei allem Lerneifer – ist, wenn man nach drei Jahren intensiver Ausbildung endlich die Wochenenden wieder selbst gestalten darf und nicht erst im Veranstaltungsplan gucken muss, ob man überhaupt „frei“ hat. Bei der fünfjährigen Ausbildung dehnt sich entsprechend auch der theoretische Teil auf fünf Jahre aus. Die Veranstaltungen sind zwar seltener, aber es sind insgesamt nicht weniger, was bedeutet: es werden umso länger die Wochenenden blockiert.